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"Meine Kunst soll ehrlich sein; offen klar und wahr".
Die Eisenplastiken des freischaffenden Künstlers Silvan Köppel aus Widnau, haben eines gemeinsam: Sie sind aus Schrott. Und authentisch. Unmissverständlich in der Aussage und klar in ihrem bewegenden Ausdruck.
Eisen und Stahl, totes Material, wird unter seinen beherrschenden Händen lebendig. An der äussersten Grenze des Machbaren zwingt er den starren Werkstoff in die Beweglichkeit, zur Verwandlung;in eine neue Form und Ausdrucksweise. Mit Hilfe von Feuer, Amboß und Hammer erschafft er neue lebendige Figuren, Skulpturen und höchst bewegliche Geschöpfe.

Filigran und zerbrechlich scheinen seine Insekten, Vögel, Echsen und Käfer. Schön sind sie, aber eisern und unerbittlich in der Vermittlung ihrer klaren Botschaft: Die Grenzen des Vorstellbaren sollen überschritten werden und sich zeigen. Das eindrücklichste Beispiel dafür, ist sein bisher grösstes Werk: Der Civilization Tree.

Mit der Symbolkraft der Natur
Der aus 30 Tonnen Material gewachsene Baum, spiegelt 81 Jahre unserer jüngsten Vergangenheit. Jedes Teil für sich hat eine Aussage.

Die Wurzeln aus gigantischen Turbinenrädern, Schiffshaken, Wellen und einem Wasserschieber, der dannzumal ein ganzes Dorf speiste, sind in Masse und Gewicht ehrfurchtserheischend. Und der Stamm aus Trägern, Ketten und Teilen eines Traktors, der 1922 in Amerika gebaut wurde und über Wien ins Rheintal kam, strotzt von Kraft und Energie. An rostigen verwundeten Stahlästen hängt die Frucht.

Ein Opel Olympia Baujahr 1944, vom Ende der Hitlerära zeugend. Da, ein abgebrochener Ast. Er hat's überlebt, der Baum, aber die Spuren seiner Vergangenheit sind sichtbar. Aus dem Kies um schieben sich die Triebe von natürlichen Ahorn- und Buchsbäumen. Die Natur setzt sich durch>.

Genie ist die Kraft, sich unendlich Mühe zu geben
Zur Ästhetik eines Werkes, gehört für den Künstler Silvan Köppel unmittelbar auch die technische Herausforderung. Freilich setzt sie Beherrschung der Materie voraus. Sonst könnte die rießige vernetzte Kugel aus unzähligen ineinander verschlungenen Armierungseisen die zwischen Himmel und Erde schwebt, sich nicht beim leisesten Windhauch bewegen. Die Globalization zeigt unser aller Abhängigkeit auf.

Alles ist mit allem verbunden und hat als Teil Einfluss auf's Ganze, das sich dadurch bewegt.

"Kunst ist nicht nur Können, sondern auch Künden".
Diesen Gedanken setzt der Eisenplastiker konsequent in seiner Arbeit um. Die vier Netzwerke aus Stahlschnüren zeugen davon. Da ist das zeittraumatische Netzwerk, geformt aus einer Blumenwiese mit Blüten aus Plastik. Das organische zeigt Abhängigkeiten äusseren Lebens mit den inneren Abläufen. Beim familiären lassen sich unschwer die Verstrickungen, Machtkämpfe und diverse Meinungsverschieden- heiten spüren, die im kleinsten Keim unserer Gesellschaft herrrschen.

Und letztendlich symbolisiert das technische Netzwerk die systemischen Verknüpfungen und Verwicklungen der Abhängigkeiten untereinander. "Wir können trotz höchstentwickelter Kommunikationstechnologien leider nur noch oberflächlich miteinander umgehen".

Das Spiel mit den Gegensätzen
Das Greifbare, wie das Unfassbare, fasziniert an den Arbeiten Silvan Köppels. Schatten und Licht scheinen einander zu bedingen, wie die Realität der Wirklichkeit als die beiden Seiten des Seins. Greifbar, sichtbar einerseits und erwirkend, den Schatten verursachend, andererseits. Nichts ist vergleichbar. Indem man vergleicht, ist es schon zu etwas anderem geworden.

"Ich will Dinge schaffen, die man schauen kann und es bleibt, es wird nicht langweilig". Der Künstler steckt seinem Dusel, einem echsenartigen, sehr intelligent wirkenden Geschöpf, dessen Eisenkrallenfinger in den Mund und die Figur bekommt damit einen völlig anderen Ausdruck. "Wäre ich ein Manager, würde ich mir den ins Büro stellen und damit meine Stimmung zeigen".

Redest du, soll deine Rede besser sein, als dein Schweigen gewesen wäre

Dieses alte arabische Sprichwort lässt sich auf die Kunst Silvan Köppel's übertragen.

Die gentechnisch zusammengeklonte teuflische Hündin, der Vogeltanz an Krücken, oder auch der ängstliche Springer, ein rießiges geflügeltes Echsengeschöpf und der mit Stacheldraht gekrönte Jesus..."Der Stacheldraht hat mehr Menschen und Tiere umgebracht, als die Atombombe" sprechen im Ausdruck - ohne Worte - für sich.